Archiv für November 2010

30.11. Info-Veranstaltung in Koblenz

Kommende Info-Veranstaltungen

-27.11. Samstag Autonomes Zentrum Köln Beginn: 18 Uhr

-30.11.Dienstag Koblenz: Jugendzentrum am Moselring (hinter‘m Löhr-Center) Beginn: 19 Uhr + Volxküche

-11.12. Samstag Eifel (Ort auf Anfrage) Beginn: 15 Uhr

1. Informations Veranstaltung stattgefunden

Die erste Informations-Veranstaltung zur Nihad Demo am 28.12.2010 fand in Hachenburg statt.
Das Organisationsteam hielt einen Vortrag über die Ereignisse vor 20 Jahren und die aktuelle Naziproblematik im Westerwald. Anschließend wurde über Unterstützung und weitere organisatorischen Angelegenheiten diskutiert.
Wir haben ein wunderbares Feedback bekommen und freuen uns auf die zugesagte Unterstützung.

In Zukunft sollen weitere öffentliche Info-Veranstaltungen in Hachenburg, aber auch Überregional stattfinden.

Falls ein Vortrag in eurer Region gewünscht ist, meldet euch einfach bei uns: Kontakt

Aufruf zur antifaschistischen Gedenkdemonstration am 28.12.2010 für Nihad Yusufoglu

Nihad Demo Banner

Am Abend des 28.12.1990 wurde der 17-jährige Nihad in Hachenburg von
einem gleichaltrigen Naziskin erstochen. Vorausgegangen waren
wochenlange Beleidigungen und Bedrohungen durch Nazis, welche gegenüber
der Wohnung von Nihads Familie in einem Parkhaus ihren Treffpunkt hatten.
Was folgte waren die üblichen zivilgesellschaftlichen Reflexe: Empörung,
Unverständnis, Demo, Lichterkette. Regionalpolitiker die mahnend den
Finger hoben und schworen das sich so was nicht mehr wiederhole.
Diskussionen in der Regionalpresse:“Wie konnte das hier bei uns passieren?“
Immer wieder der Verweis auf die einzelnen geistig
Verblendeten die für solche Taten verantwortlich seien. Die Familie von
Nihad traute diesen Beteuerungen nicht und verließ den Westerwald.
Schnell war Nihad aus der Presse verschwunden und die Lichterketten
erloschen. Der Täter wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen
Totschlags verurteilt, und nach 2/3 der Haftstrafe wieder entlassen.

Westerwald 1990

Es war die Zeit nach der Wiedervereinigung, nach der gewonnenen
Fußball-WM in Italien. Die Zeit in der ein neues Patriotismusgefühl
reifte. Mensch wieder Stolz war, Deutscher zu sein und auch im
provinziellen Westerwald auf keinem Volksfest, keiner Party die
obligatorische Naziskinhead-Clique fehlte. Es waren nicht viele,.
vielleicht 30-40 im Westerwald die Ihre rassistische und antisemitische
Gesinnung so offen nach außen trugen, umso mehr hätten sie auffallen
müssen und taten es auch, umso verwunderlicher war es auch, dass nach
der Tat kaum einer von den Neonazis gewusst haben wollte. So trafen sich
doch jedes Wochenende mindestens 20-30 Neonazis in Montabaur (Kreisstadt
Westerwald) am Konrad-Adenauer Platz um gemeinsam zu trinken und
vorbei laufende Migrant_innen und Andersdenkende zu beschimpfen. So gab
es doch schon Wochen vor dem Mord an Nihad faschistische Schmierereien
in dem Parkhaus wo die Nazis sich trafen. Übergriffe in Form von
verbalen Anfeindungen und Flaschenwürfen auf die Rollläden der 8-köpfigen
kurdischen Familie im dicht bewohnten Gebiet. Hatte wirklich niemand
etwas davon mitbekommen? Der Täter, der in Bad Marienberg zur Schule
ging und schon früh der neonazistischen Skinheadszene angehörte,
Mitglied der Taunusfront war, war kein unbeschriebenes Blatt. Nein, es
war keine Überraschung das so etwas passieren könnte nur schwieg die
Mehrheit der Bürger_innen, verantwortlichen Lehrer_innen als er und
seine Clique sich immer mehr radikalisierten. Es passte nicht in die
beschauliche Landidylle und in die Kneipen von Bad Marienberg,
Hachenburg oder Rennerod. Nicht selten war zu hören das es doch ein
Asylproblem gäbe und die hier nichts zu suchen hätten.

Westerwald Heute:

20 Jahre ist die Tat nun her, in Hachenburg erinnert kaum noch etwas an
diese brutale und feige Tat. Doch ist es nicht so, das die Menschen
aufgewacht sind. Ist es nicht so, das Mensch den Eindruck hat, das es eine
Sensibilisierung für dieses Thema gegeben hätte. Im September noch
besuchte Udo Voigt seinen NPD-Kreisverband Westerwald und lobte ihn als
Vorzeigeverband, die rechte Szene im Westerwald ist nicht kleiner
geworden. Im Gegenteil, 2004/2005 gab es einen erneuten Höhepunkt rechter
Umtriebe durch die Kameradschaft Westerwald die brutal gegen
Andersdenkende und Migrant_innen vorging, Pogrome gegen ein
Flüchtlingswohnheim in Derschen (Daaden) die erst nach massivem
Nachfragen durch die Presse ans Tageslicht kamen, Nazikonzerte,
Liederabende, Flyeraktionen auf Schulhöfen. All das gehört zum Alltag im
Westerwald und auch heute schauen viele Weg wenn Rassist_innen und
Antisemit_innen hier ihre menschenfeindlichen Parolen verbreiten. Die
NPD errang bei der letzten Kreistagswahl sogar ein Mandat im Kreistag.
Dabei zeigt sich das Vorgehen der Verantwortlichen hier immer wieder
stereotypisch, es wird geleugnet, verschwiegen und erst zugegeben, wenn
gar nichts mehr zu retten ist. Auch heute wird im Westerwald und
anderswo versucht, das Naziproblem kleinzureden oder am besten ganz zu
verschweigen.

Landidylle, Gesellschaft, Nazi- Mord!

Das Erstarken von nationalen Bewegungen und Gedankengut führte in der
Bundesrepublik zu einem ansteigen von rassistisch/chauvinistischen
Gewalttaten. Wobei diese nicht ausschließlich von Neo-Nazis begangen
wurden und werden. Die sogenannte Mitte der Gesellschaft lieferte bzw.
liefert immer wieder Steilvorlagen die die Täter_innen bestätigen oder
ermutigen ihre Taten durchzuführen bzw. durchgeführt zu haben. In Zeiten
in denen ein Thilo Sarrazin großen Zuspruch erhält, wenn er vom Juden-Gen
oder von genetisch bedingter Intelligenz spricht ist es nicht
verwunderlich, dass Gewalttaten gegen Nicht-Weiße verbreitet sind. Das
Problem auf die sogenannten Extremisten zu verlagern wird der
gesellschaftlichen Realität in der BRD nicht gerecht. Eine Stimmung
wurde und wird erzeugt, die die rassistischen Schläger_innen sich selbst
als legitime Vollstrecker_innen eines Volksmobs erscheinen lassen bzw.
lässt. Wenn der Bundesregierung 1993 nichts anderes als Konsequenz auf
die Pogrome in Hoyerswerda und Rostock Lichtenhagen einfällt, als das
Asylgesetz faktisch abzuschaffen. Wenn in Zeitungsmeldungen immer wieder
Ahnenforschung bei Nicht-Weißen Täter_innen betrieben wird, bei Weißen
Deutschen jedoch nicht nach dem Geburtsort des Großvaters gefragt wird.
Wenn ständig vom Untergang des Abendlandes gesprochen wird, dann ist es
nicht verwunderlich, dass über 140 Todesopfer seit 1990 zu betrauern
sind, am Sonntag den 24.10.2010 gab es den letzten rassistischen Mord.
Ein junger Nicht-Weißer Mann wurde vor dem Hauptbahnhof in Leipzig von 2
Weißen Männern ermordet. Daher wollen wir am 28. Dezember nicht nur
Nihad betrauern, sondern auch allen anderen Opfern rassistisch oder
antisemitisch motivierter Gewalt.

Das Problem heißt Rassismus!

Wir rufen Euch deshalb auf mit uns gemeinsam am 28.12. im Gedenken an
Nihad und all den anderen Opfern rechter Gewalt und gegen Rassismus,
Nationalismus, Antisemitismus und Sexismus zu demonstrieren.

Wann: 28.12.2010 18 Uhr
Wo: Hachenburg Bahnhof